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Potsdamer Klangkörper

Potsdamer Männerchor
"Als wir Anfang April 1990 zu einer Übungsstunde in den Nikolaisaal kamen, fanden wir unsere Einrichtung und unsere Noten zum größten Teil im Saal und auf dem Hof verteilt. Die Schränke waren aufgebrochen, der Flügel und die Stühle zertrümmert." Horst Köhn schreibt in seinen Erinnerungen in der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des Potsdamer Männerchores über dieses unerfreuliche Ereignis, als Jugendliche in den Nikolaisaal einbrachen und ihn verwüsteten. Dies war der unverhoffte Abgesang des Potsdamer Männerchores, der aus einer Fusion des Sängerchors und des Männergesangvereins hervorgegangen ist, im Nikolaisaal. Er hätte sich zwar sowieso eine neue Bleibe suchen müssen, denn die baulich unzureichenden Zustände des Hauses in der Wilhelm-Staab-Straße ließen kaum eine Probenarbeit noch zu. Das letzte Konzert des Chores hatte hier bereits am 2. Oktober 1977 mit Opern- und Operettenmelodien stattgefunden. Damit ist der Potsdamer Männerchor der Klangkörper, der am längsten den Nikolaisaal in Anspruch nahm. Unvergessliche Konzerte hat er hier absolviert. Die großen Werke, die Franz Schubert, Johannes Brahms oder Edvard Grieg für Männerchor schrieben, fanden eindrucksvolle Interpretationen. Natürlich sangen und singen die Herren immer wieder populäre Ausschnitte aus Opern besonders gern.

Singakademie Potsdam
Karl Landgrebe, eine der überragenden Musikerpersönlichkeiten Potsdams in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, stand dem Chor, der am 21. Mai 1947 eine Neugründung erfuhr, von 1949 bis 1957 vor. Nach ihm kamen Hans Löwa, Max Hasche und Horst Müller. Seit 1968 ist Ronald Reuter Dirigent des Potsdamer Männerchores. Auch für die Singakademie Potsdam e.V. ist der Nikolaisaal Proben- und Konzertstätte. 1952 gründeten die Musikpädagogin Ilse Wolff und der Dirigent Karl Landgrebe den Madrigalkreis als Vorstufe für den Städtischen Chor Potsdam, der in der langen Tradition der Chorbewegung in Potsdam steht. Diese begann 1814 mit einem Gesangsverein für klassische Musik. 1901 wurde der Bach-Verein ins Leben gerufen. Beide Chöre schlossen sich 1934 zum Städtischen Chor Potsdam zusammen. Ekkehard Tietze war nach Karl Landgrebe - auch Hans Chemin-Petit leitete ihn mehrere Jahre nach dem zweiten Weltkrieg - der letzte Dirigent dieses Klangkörpers. Anfang der sechziger Jahre wurde der Chor aufgelöst. Der Madrigalkreis blieb als städtisches Ensemble erhalten. 1958 wurde Horst Müller, ein Landgrebe-Schüler, als Dirigent des Madrigalkreises berufen. Elf Jahre später verlieh man dem Chor den Titel Singakademie der Stadt Potsdam. Mehr als 300 Mitglieder zählt insgesamt die Singakademie, die größte Chorvereinigung der Stadt. Das Repertoire reicht von Musik der Renaissance bis zur Gegenwart.

Musikschule J. S. Bach
Die großen chorsinfonischen Werke von Haydn, Mozart, Bach, Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Dvorák oder Orff stehen im Repertoire. Jahrelang vermisste die Singakademie einen ständigen Konzertsaal in Potsdam. Nun kehrt sie wieder in die Wilhelm-Staab-Straße zurück - dort, wo sie in den fünfziger und auch in den sechziger Jahren große Erfolge feiern konnte. Die künstlerische Gesamtleitung der Singakademie hat auch heute noch Horst Müller. Die Städtische Musikschule "Johann Sebastian Bach" Potsdam hat mit ihren verschiedenen Klangkörpern Jugendorchester (Leitung: Jürgen Runge) oder Kammerchor (Leitung: Marion Kuchenbecker) ebenfalls eine Möglichkeit im Nikolaisaal zu proben und zu konzertieren. Ihr Hauptgebäude in der Jägerstraße erwies sich für ein größeres Ensemble immer wieder als viel zu klein. Die Musikschule, die Mitte der fünfziger Jahre gegründet wurde, wird heute von Prof. Wolfgang Thiel geleitet.